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Produktmanagement

Das Tracking-Problem, das kein Tracking-Problem war

3 min

Das Tracking-Problem, das kein Tracking-Problem war

"Wir brauchen ein Tracking-Konzept."

So fing das Gespräch an. Ein B2B-SaaS-Anbieter für Projektmanagement, solides Produkt, wachsende Nutzerbasis. Die Anfrage klang klar:

  • Welche Daten sollen wir tracken?
  • Nach welchem Schema?
  • Welche Auswertungen brauchen wir?

Drei Fragen. Alle falsch.

Was sie wollten vs. was sie brauchten

Die Anfrage:

"Wir wollen Impact bei Änderungen erkennen, Nutzungsverhalten verstehen, und verschiedenen Stakeholdern ermöglichen, Entscheidungen auf Basis von Daten zu treffen."

Das Problem dahinter: Niemand hatte definiert, welche Entscheidungen das sein sollen.

"Impact erkennen" – und dann? Was passiert, wenn der Impact negativ ist? Wer entscheidet? Bei welchem Schwellenwert?

"Nutzungsverhalten verstehen" – für wen? Der CEO braucht andere Insights als der Product Owner. Ohne Stakeholder-Mapping ist das ein Dashboard, das niemand nutzt.

"Entscheidungen auf Daten basieren" – welche Entscheidungen? Ohne definierte Optionen gibt es keine Entscheidung, nur Beobachtung.

Der Reframe: Von Events zu Entscheidungen

Die eigentliche Frage ist nie "Was tracken wir?"

Die eigentliche Frage ist: "Welche Entscheidung wollen wir treffen – und welches Signal würde sie verändern?"

Ihre FrageDie richtige Frage
Welche Events tracken?Welche Entscheidung steht an?
Welches Schema?Wer braucht welches Signal?
Welche Auswertungen?Bei welchem Wert ändern wir den Kurs?

Ein Tracking-Konzept ohne Entscheidungslogik ist eine Liste von Events. Mehr nicht.

Was ein Evidence Brief liefert

Statt einer Event-Liste liefert ein Evidence Brief:

1. Eine Zielzahl – aber mit Schwelle

Das Konzept der "One Metric That Matters" stammt aus Lean Analytics. Die Idee: In jeder Phase fokussierst du auf eine Metrik statt auf einen KPI-Zoo.

Das Problem: Eine Metrik ohne Entscheidungsschwelle ist nur eine Zahl auf einem Dashboard.

Nicht: "Unsere Zielmetrik ist Activation."

Sondern: "Wenn Activation unter 35% fällt, stoppen wir den Rollout und analysieren die Drop-off-Punkte."

2. Guardrails mit Schwellen

Nicht "Churn beobachten". Sondern: "Wenn Churn > 3% → Rollout stoppen, Ursachenanalyse starten."

3. Maximal 12 Signale

Nur Events, die den nächsten Schritt verändern würden. Alles andere ist Noise.

4. If/Then-Logik

Für jede Metrik: Was tun wir, wenn sie über/unter der Schwelle liegt? Wer ist verantwortlich? Bis wann?

5. Stakeholder-Mapping

CEO sieht die Zielzahl und Guardrails. Product Owner sieht die Signale. Niemand braucht alles.

Der Unterschied

Tracking-KonzeptEvidence Brief
Liste von EventsEntscheidungsarchitektur
"Was messen wir?""Was entscheiden wir – und bei welchem Wert?"
Dashboard für alleStakeholder-spezifische Views
BeobachtungHandlungsfähigkeit

Warum Tracking-Projekte scheitern

Teams, die ein "Tracking-Konzept" wollen, bekommen oft genau das: eine Liste von Events, ein Schema, ein Dashboard.

Sechs Monate später:

  • Niemand schaut auf das Dashboard
  • Entscheidungen werden weiter aus dem Bauch getroffen
  • Das Tracking wird als "nicht hilfreich" abgestempelt

Das Problem war nie das Tracking. Das Problem war: Niemand hat vorher definiert, welche Entscheidung die Daten ermöglichen sollen.

Fazit

"Wir brauchen ein Tracking-Konzept" ist fast nie die richtige Anfrage.

Die richtige Anfrage ist: "Wir haben eine Entscheidung vor uns – und wissen nicht, welches Signal uns dabei hilft."

Ein Evidence Brief beantwortet das:

  • Eine Zielzahl mit Schwelle
  • 2-3 Guardrails mit Trigger-Punkten
  • Maximal 12 Signale, die den nächsten Schritt verändern
  • If/Then-Logik für jede Metrik
  • Ein Owner pro Entscheidung

Alles andere ist eine Event-Liste mit Hoffnung.